Warum Familienandacht

Familienandacht_SliderWarum sollten Familienandachten praktiziert werden? Spricht die Schrift denn von einer solchen Praxis und wenn ja, was ist darunter zu verstehen? Stellen Familiengottesdienste nicht zielgruppenorientierte Veranstaltungen der Gemeinde am Sonntag dar oder ist es doch eher die geistliche Praxis innerhalb der Familie in der Woche, mit alltäglicher Schriftlesung, Gebet und Gesang?

Bereits bei Abraham wird die Belehrung der Kinder unmißverständlich thematisiert:

Denn dazu habe ich ihn auserkoren, dass er seinen Kindern befehle und seinem Hause nach ihm, dass sie des HERRN Wege halten und tun, was recht und gut ist, auf dass der HERR auf Abraham kommen lasse, was er ihm verheißen hat.
1Mo18:19

Für Martin Luther ist die Familie ein Abbild der Kirche. Der Hausvater ist Hausbischof und Prediger, versammelt die Hausgemeinde, betet, unterrichtet den Katechismus.

Abraham hatte in seinem Zelt ein Haus Gottes und eine Kirche, so wie heute jeder gottesfürchtige und fromme Hausvater seine Kinder unterweist in Gottesfurcht. Daher ist ein solches Haus tatsächlich eine Schule und Kirche, und das Haupt des Hauses ein Bischof und Priester in seinem Haus.
Dr. M. Luther

Wilhelm Faix hat eine Umfrage unter evangelikalen Familien durchgeführt (Die christliche Familie heute – Ergebnisse einer Untersuchung). Folgendes stellt er fest:

  • 34% dieser Familien praktizieren keine gemeinsame Bibellese mit den Kindern .
  • 19% beten nicht mit ihren Kindern.
  • 47% der so aufgewachsenen Kinder geben an, dass sie beten und Bibellesen nicht bei ihren Eltern gelernt haben.
  • 45% der Kinder geben an, dass ihre Eltern ihnen kein Vorbild im Glauben waren!
  • 63% der Teenager sagten, dass sie durch die Kinder- und Jugendarbeit gelernt haben zu beten und in der Bibel zu lesen.
  • 60% aller befragten Väter sagen, dass sie „wenig bis gar keine Zeit“ für ihre Kinder haben, was durch 26% der Jugendlichen bestätigt wird.

Auch in einer adventistischen Studie (Valuegenesis-Studie) wird festgestellt, das in fast 30% der Familien kein gemeinsames geistliches Leben (Gebet, Andacht, Lesen, Gedankenaustausch) vorhanden ist. Nur in jeder 5. befragten Familie gibt es täglich gemeinsame geistliche Aktivitäten. Der Anspruch Gottes an uns ist ein anderer.

Da ein Christ nicht sich selbst gehört, sondern mit einem Preis erkauft wurde, soll er darauf bedacht sein, Gott in jeder Lebenssituation zu verherrlichen. Egal welche Stellung er innehat oder an welchem Ort er sich befindet, er soll ein Zeugnis für Christus sein. Neben der Gemeinde Gottes soll sein eigenes Heim der Bereich sein, in dem seine Hingabe an Christus am deutlichsten wird. Alle Gepflogenheiten sollten das Siegel seiner himmlischen Berufung tragen. Alle Gewohnheiten sollten so angelegt sein, dass jeder, der eintritt, merkt: “Gott ist hier!” Arthur D. Pink

Diese Werte geben Anlaß zur Sorge, denn sie bleiben nicht ohne Auswirkung auf Familien und Kinder und letztlich die Gemeinde/Kirche. Die durchschnittliche christliche Familie, weist in der Regel diesselben Individualisierungtendenzen auf wie alle anderen. Gesellschaftliche Akzeptanz und Relevanz spielen eine große Rolle. Schulische wie außerschulische Förderung der Kinder, Vereine, Hobbys und Freunde nehmen Familien fast rund um die Uhr in Beschlag. Die Eltern, nicht selten beide berufstätig, nutzen die verbleibene Zeit – wenn überhaupt – um mit den Kindern Freizeitaktivitäten nachzugehen, oder parken diese vor den Segnungen der medialen Welt.

Äußerlich bzw. alltäglich gesehen, existiert oft kein entscheidender Unterschied zwischen christlichen und anderen Familien. Allerdings ist dies kein modernes Phänomen, historische Vergleichsfälle existieren durchaus:

Es gibt viele Familien, die nicht morgens und abends anhaltend zu Gott betet, und noch mehr, in denen die Heilige Schrift nicht täglich gelesen wird, so dass das Wort Christi reichlich unter ihnen wohne. Es gibt zu viele Häuser, die voll von Ungewissheit und Gottlosigkeit sind und die nicht ausreichend überprüft werden. Aus diesem Grund kommt auf andere in ihrer Umgebung wie auch sie selbst Gottes Zorn (Jer22:20; Jer5:7; 10:25). Viele Haushaltsvorstande, die sich zum Glauben bekennen, kümmern sich nicht so wie sie es sollten darum,davo dass sich alle, die unter ihrem Dach leben, der guten Weisung fügen (2Mo20:10) … Die meisten Übel, die bei uns häufig vorkommen, entspringen der mangelnden Leitung in der Familie.
Boston 1697, Synode Neuengland

Seine Eltern auf der einen Seite nur im Gottesdienst „fromm“ zu erleben, wenn diese andererseits die Wichtigkeit Gottes und der Bibel betonen, dürfte Kinder zumindest verwirren. Paulus betont, das im Wort Gottes die Kraft Gottes wirksam ist, dieselbe, die auch Christus von den Toten auferweckt hat. s

Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, ist es doch Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen. Röm1:16

Man stelle man sich das unglaubliche Potential vor: Kinder die zehn, zwanzig Jahre  tagtäglich das Wort Gottes zu lesen, zu hören bekommen, darüber nachdenken! Gottes Auftrag an die Eltern lautet, Kinder mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, jede Gelegenheit nutzend anzuleiten, zu ermahnen, zurechtzuweisen etc. damit diese Gott erkennen, gehorsam und – so Gott will – erlöst werden. Sind wir bereit dafür alles dran zu setzen?

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