Gebet

„Betet ohne Unterlass!“ (1Thess5:17), betet „allezeit“ (Lk18:1). Gebet entspringt keineswegs dem Wunsch des Menschen, sondern ist Auftrag Gottes.

In den Kirchen kennt man heute viele Gebetsformen (Kontemplatives, hörendes, prophetisches, vollmächtiges Gebet, das Herzensgebet, sogenanntes Zungengebet, Gebetsmärsche, 24-Stundengebete. Bildmeditationen, Stillübungen und viele andere denkbare, aber auch unvorstellbare Arten und Weisen, welche eher an heidnische respektive fernöstliche Praktiken, denn an biblische Gebetsformen erinnern), biblisches Gebet jedoch, kann und sollte sich vor allem durch das Vorbild Christi prägen lassen.

Im Allgemeinen wird heute in den Gemeinden, Familien oder allein, frei und spontan gebeten. Dieses freie Gebet steht jedoch neben einer Tradition vorformulierter Gebete. Beide Formen haben dabei ihre Berechtigung.

Der Wunsch der Jünger, Jesus solle sie beten lehren, wurde dadurch geweckt, das sie Ihn selbst beten sahen (Lk11:1ff). Seine Antwort darauf war das „Unser Vater“. Dieses Gebet ist zu Recht das bekannteste und wird von den Christen auf der ganzen Welt gebetet.

In Matth6 gibt uns Jesus weitere Hinweise dazu, wie bzw. wie nicht gebetet werden soll. Ein Hinweis lautet: „ihr sollt nicht plappern“. Das griechische Wort für „plappern“, βατταλογέω = battalogeō bedeutet soviel wie, die „ständige Wiederholung immer gleicher Phrasen“ bzw. unnütze, oder viele Worte zu benutzen, zu schwatzen.

Man soll wenig Worte machen, aber viel und tief dabei denken und im Sinn haben. Je weniger Worte, je besser das Gebet; je mehr Worte, je ärger das Gebet: wenig Worte und viel dabei denken ist christlich, viele Worte und dabei gedankenlos sein in heidnisch. Dr. M. Luther

Dr. M. Luther macht in seinem Kommentar zum „Unser Vater“ weiterhin deutlich:

  • das Gebete nicht problemorientiert oder diesseitsverhaftet, sondern eine Reflektion des Wortes Gottes darstellen sollen
  • daß es in Gebeten nicht um unsere Wünsche, sondern darum geht, Gottes Willen zu erkennen und sich in diesen einzufinden.

Wie kann man dies umsetzen? Zum einen ist die Schrift voll von Gebeten, die durch den Heiligen Geist selbst inspiriert wurden: Den Psalmen, aber auch im Neuen Testament finden sich Gebete. Auch die Kirchengeschichte hat uns mit einer reichen Tradition von Gebeten für viele Lebenssituationen beschenkt.

Nicht zuletzt kann ein jeder selbst Gebete vorformulieren. D.h. sich – bevor man beginnt zu beten, überlegt was man sagt, vielleicht sogar aufschreibt. Vorformuliertes, durchdachtes Gebet ist dabei durchaus mit einiger Mühe verbunden, denn wer nach dem Willen Gottes beten will, muß die Schrift kennen.

Dabei sollte bedacht werden, daß nur Gebete „nach dem Willen Gottes“ die berechtigte Erwartung haben können, erhört zu werden. Gebet, welches sich am Wort Gottes orientiert, von diesem inspiriert ist und allein die Ehre Gottes sucht.

Und das ist die Zuversicht, die wir haben zu Gott: Wenn wir um etwas bitten nach seinem Willen, so hört er uns. Und wenn wir wissen, dass er uns hört, worum wir auch bitten, so wissen wir, dass wir erhalten, was wir von ihm erbeten haben.1Joh5:14-15